Flüchtlingen gelingen erste Schritte in die Arbeitswelt

Rudolstadt/ Landkreis. Viele Geflüchtete haben im Landkreis eine neue Heimat und neue Freunde gefunden, sind aber bis zur Erteilung einer Aufenthaltsgenehmigung mehr oder weniger zum „Nichtstun“ verurteilt. „Aber die Flüchtlinge wünschen, sich aktiv in die Gemeinschaft, in das soziale Leben und in die Arbeitswelt einzubringen“, erklärt Hans Walter, Sprecher der Initiative „Neue Nachbarn Rudolstadt“. Er nennt einige regionale Beispiele zur Integration, die Mut machen sollen:

So hat Peter Leyh, ehemaliger Inhaber einer eigenen Tischlerei in Rudolstadt, den gelernten Tischler Harith aus dem Irak unter seine speziellen „Fittiche“ genommen. Kennengelernt haben sie sich die beiden bei der Bestückung der Wohnung eines befreundeten „neuen Nachbarn“. Da war Peter aufgefallen, dass Harith bei allen handwerklich anfallenden Dingen immer schnell und sachgerecht reagiert hat. Es stellte sich dann heraus, dass er genau wie Peter Tischler ist. Seitdem gibt es fast eine tägliche Zusammenarbeit. Sie sind inzwischen ein eingespieltes Team und helfen allen, die Bedarfe haben. „Das Engagement von Harith ist vorbildlich.“ Und so wurde angeregt, dass Kontakt mit der Tischlerei Jahn in Bad Blankenburg aufgenommen wird, um Harith dort für ein Praktikum unterzubringen, eventuell parallel zum Integrationskurs, der vormittags stattfindet. Hierfür bekommen sie Unterstützung auch von Frau Fröbel als Mitarbeiterin des BTZ Rudolstadt.

„Wir wollen nicht nur rumhängen. Wir wollen was tun.“, sagt zum Beispiel auch Mahmound Al Nahwr, ein äußerst engagierter junger Syrer, der seinen Integrationskurs bereits erfolgreich absolviert hat. Seine mit viel Eigeninitiative angeeigneten Deutschkenntnisse sind sehr gut, urteilt Hans Walter. Mahmound hat in Syrien eine 8-jährige Schulbildung genossen, aber danach keine bestätigte Berufsausbildung vorzuweisen. Seit seinem 15. Lebensjahr hat er verschiedene praktische Tätigkeiten ausgeübt. Unter anderem ist er acht Jahre zur See gefahren und war dabei vertraut mit der Navigation großer Containerschiffe. Über ein Zeitarbeitsunternehmen liegt ihm zur Zeit ein Angebot für eine Tätigkeit bei einer Recyclingfirma vor. Obwohl die dortigen Aufgaben nicht seinen vorhandenen Kenntnissen und seinen Vorstellungen entsprechen, hat er die Gespräche fortgeführt. „Damit schaffe ich den Einstieg in die deutsche Arbeitswelt – oder es ergeben sich andere Möglichkeiten, die meinem Wunsch nach Tätigkeit oder Ausbildung im Bereich Schiffsbau / Werften entsprechen“ äußerte sich Mahmound gegenüber seinen Freunden im Arbeitskreis „Arbeit und Ausbildung“ innerhalb der Ehrenamtsinitiative „Neue Nachbarn Rudolstadt“.

Conny Höland, die „Hutträgerin“ des Arbeitskreises „Arbeit und Ausbildung“ sieht im Beispiel des jungen Syrer durch sein Auftreten, sein Engagement, seine Eigeninitiative und durch entsprechende Unterstützung einen Mut machenden Weg zur funktionierenden Integration. Mit Unterstützung der ehrenamtlich Aktiven der „Neuen Nachbarn Rudolstadt“ und Einbindung der IHK, der Arbeitsagentur, des Jobcenters und nicht zuletzt Carla Brückner vom BZ Saalfeld konnten weitere Flüchtlinge in die Arbeitswelt vermittelt werden.

Darunter auch der 43-jährige Syrer Khaled, der ab dem 05. September 2016 ein Praktikum bei dem Softwareunternehmen Berghof in Königsee beginnt. Sein Wunsch ist es, langfristig im IT-Bereich beruflich Fuß zu fassen.

Interessierte Arbeitgeber können sich umfassend informieren, etwa zu Möglichkeiten und Bedingungen eines Praktikums, das übrigens für eine Dauer bis zu drei Monaten vom Mindestlohn ausgenommen ist. Entsprechende Ansprechpartner stehen bei der Arbeitsagentur (Frau Kathrin Matz), beim Jobcenter (Herr Sven Fassmann), bei der IHK Gera (Frau Silke Raschke) oder bei der Handwerkskammer (Frau Fröbel) gerne zur Verfügung. Sehr gerne können sich interessierte potenzielle Arbeitgeber für erste Informationen und Vermittlung von für die jeweilige Aufgabe geeigneter Flüchtlinge an die ehrenamtlichen Aktiven der „Neuen Nachbarn Rudolstadt“ wenden: www.neue-nachbarn-rudolstadt oder per mail an info@neue-nachbarn-rudolstadt.de

 

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